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Zukünftiges Klima in Hessen


Kurz zusammengefasst

  • Für den Zeitraum 2071 bis 2100 zeigen Mittelwerte mehrerer Klimamodelle eine Erhöhung der jährlichen Durchschnittstemperatur in Hessen um rund 3 °C im Vergleich zum Zeitraum 1971 bis 2000
  • Bis zum Jahrhundertende werden Temperaturextreme tagsüber und nachts stark zunehmen
  • Mit Niederschlagsrückgängen von bis zu 20 Prozent im Sommer muss gerechnet werden
  • Extremniederschläge nehmen stark zu
  • Südhessen wird vom Klimawandel aller Voraussicht nach stärker getroffen als der Norden Hessens


Umweltatlas Hessen

Eine Projektion des zukünftigen Klimas in Hessen bietet der Umweltatlas Hessen. Dort gibt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie einen Überblick über Umweltdaten, so auch über die Auswertung von 22 verschiedenen Kombinationen globaler und regionaler Klimamodelle für das Szenario A1B. Die Ergebnisse, die daraus für Temperatur und Niederschlag zum Jahrhundertende in Hessen resultieren, werden im Folgenden dargestellt. Anderweitige Quellen als der Umweltatlas Hessen sind angegeben.

Hintergrundinfo: Wie kann das zukünftige Klima ermittelt werden?

Um Aussagen über zukünftige Entwicklungen des Klimas machen zu können, werden Computermodelle genutzt. Sogenannte „Globale Klimamodelle“ (General Circulation Models) berechnen anhand von definierten Szenarien und festgelegten physikalischen Gleichungen die möglichen Änderungen des Klimas in der Zukunft. Die Szenarien beschreiben dabei, wie sich unsere Welt möglicherweise verändert, beispielsweise in wirtschaftlicher, demografischer oder sozialer Hinsicht. Die physikalischen Gleichungen spiegeln das extrem komplexe Klimasystem unserer Erde so gut wie möglich wider. Wichtig ist, zu verstehen, dass Klimamodelle auf Annahmen über die Zukunft und Annäherungen an das Funktionieren des Klimasystems der Erde bestehen.

Die Genauigkeit der Modelle wird getestet indem diese eingesetzt werden, um historische Klimaentwicklungen und das jetzige Klima aufzuzeigen. So lässt sich ermessen, inwieweit die Modelle mit dem tatsächlich dokumentierten Klima übereinstimmen. Wenn die Modelle dieses richtig darstellen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Berechnungsgrundlagen auch für die Zukunft ein realistisches Bild zeichnen.

Um aus den globalen Klimamodellen Ergebnisse über das zukünftige Klima in einer kleineren geografischen Einheit, zum Beispiel einer Region, zu erhalten, werden die Ergebnisse der globalen Klimamodelle mit „statistisch–mathematischen” Methoden auf die Region übertragen beziehungsweise heruntergerechnet.

Verschiedene Modelle oder Simulationen werden des Öfteren zu einem Mix aus Modellen zusammengefügt. So kann die Aussagefähigkeit der Ergebnisse verbessert werden, da Fehler oder Ungenauigkeiten in einzelnen Modellen herausgerechnet werden.


Region FrankfurtRheinMain

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich meist auf das Bundesland Hessen. In einzelnen Fällen kann in Nord- und Südhessen unterschieden werden. Ist dies der Fall, sind die Ergebnisse für Südhessen eine erste Annäherung an die Situation in der Region FrankfurtRheinMain. Eine Klimaprojektion speziell für die Region ist derzeit nicht vorhanden.

Temperatur zum Jahrhundertende

Die Mittelwerte mehrerer Klimamodelle zeigen, dass eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur bis zum Jahrhundertende von 3 °C oder mehr (im Vergleich zum Referenzzeitraum 1971 bis 2000) wahrscheinlich ist. Zwischen 2031 und 2060 wird sich die Temperatur bereits um 1,7 °C (Multi-Modell-Mittel), im Vergleich zum Referenzzeitraum, erhöht haben. Betrachtet man die Extrema der Modelle, können die zukünftigen Temperaturerhöhungen auch geringer oder deutlich stärker ausfallen.

 

Weitere Details zu den zukünftigen Temperaturen

  • Besonders der Winter und Sommer erwärmen sich schnell
  • Über den Zeitraum 2071 bis 2100 wird sich die Anzahl der Sommertage (Referenzperiode 1971 bis 2000) verdoppeln bis verdreifachen
  • Über den Zeitraum 2071 bis 2100, wird sich die Anzahl heißer Tage (Referenzperiode 1971 bis 2000) voraussichtlich um 20 Tage erhöhen
  • Der extrem heiße Sommer des Jahres 2003, der die menschliche Gesundheit, Ökosysteme, die Landwirtschaft sowie viele weitere menschliche und natürliche Systeme stark beeinflusste, wird gegen Ende des Jahrhunderts ein ganz normaler Sommer sein
  • Tropische Nächte nehmen zu [1
  • Hitzewellen werden länger [1
  • Dürren im Sommer werden länger [1]
  • Südhessen und die Region FrankfurtRheinMain (sowie Ried) werden stärkeren Temperaturerhöhungen und längeren Hitzewellen ausgesetzt sein als Mittel- und Nordhessen, siehe die roten Umrandungen in der Abbildung [1]


Niederschlag zum Jahrhundertende

Für die Zukunft zeigen Modellergebnisse starke Veränderungen des Niederschlags in den einzelnen Jahreszeiten. Während die Sommer gegen Endes des Jahrhunderts von starken Rückgängen des Niederschlags gekennzeichnet sind (-20 Prozent im Multi-Modell-Mittel im Vergleich zum Referenzzeitraum 1971 bis 2000), muss in zukünftigen Wintern mit mehr Niederschlag gerechnet werden (+14 Prozent im Multi-Modell-Mittel).


Weitere Details zu den zukünftigen Niederschlägen

  • In der Periode 2071 bis 2100 ändern sich jährliche Niederschlagsmittel im Vergleich zur Periode 1971 bis 2000 geringfügig
  • Die jahreszeitliche Verteilung und Intensität der Niederschläge verändert sich hingegen sehr stark; dies beeinflusst die Land- und Forstwirtschaft, natürliche Ökosysteme, die Wasserverfügbarkeit sowie viele weitere menschliche und natürliche Systeme
  • Eine Verstärkung der Extremniederschläge (und vermehrtes Auftreten) wird für alle Jahreszeiten erwartet, besonders im Herbst und Frühling [1
  • Die Gefahr von Dürren nimmt zu [1]
  • Südhessen wird mit mehr Trockenheit und Dürren rechnen müssen als Nordhessen [1]            

Quellen

[1] Schindler, A., Lange, T., Luterbacher, J., Maraun, D. (2014). Klimawandel und Extremwetter in Hessen – Analyse von Beobachtungsdaten des 20 Jahrhunderts und Ensembleprojektionen für das 21. Jahrhundert.