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Anpassung an den Klimawandel


Was bedeutet Anpassung?

Leider stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wie stark sich unser Klima in Zukunft verändern wird. Darum müssen wir uns, neben den Bemühungen das Klima zu schützen, auch darum kümmern unsere Gesellschaft an die vielfältigen Veränderungen die der Klimawandel mit sich bringt anzupassen. Zu den sich verändernden klimatischen Bedingungen zählen:

Sommerhitze: 35 Grad Celsius auf dem Thermometer
© Thaut Images / Fotolia.com 

Hitze....

Die mittleren Jahrestemperaturen sowie Tage und Nächte mit besonders starker Hitzebelastung nehmen deutlich zu.


Extremwetterereignis: Blitzschlag über Frankfurt
© Jo Chambers / Fotolia.com 

Extremes Wetter

Starkniederschläge, Stürme und Unwetter treten deutlich häufiger und mit größerer Stärke auf.


Die Folgen dieser Veränderungen sind vielfältig und fast immer negativ. Betroffene Bereiche sind zum Beispiel die menschliche Gesundheit, die Landwirtschaft, die Wasserversorgung oder die Biodiversität.

Warum ist Anpassung wichtig? 

Die Notwendigkeit zur Anpassung steht, wie der Klimaschutz, außer Frage und ist auch kein Thema für die ferne Zukunft. Selbst wenn weltweit alle klimaschädlichen Emissionen von heute auf morgen gestoppt würden, unsere Erde würde sich durch die bereits ausgestoßenen Treibhausgase und deren lange Verweildauer in unserer Atmosphäre über einen langen Zeitraum unausweichlich weiter erwärmen.

Bereits jetzt verändert sich das Klima um uns herum: Niemals zuvor gemessene Temperaturen, außergewöhnlich lange Hitze- und Trockenperioden sowie veränderte Niederschlagsintensitäten und Niederschlagsmuster werden in Hessen beobachtet. Während des extremen Hitzesommers im Jahr 2003 kam es in Hessen und Europa zu erhöhten Sterblichkeitsraten, landwirtschaftliche Erträge gingen spürbar zurück und auch die Nächte boten keine ausreichende Abkühlung mehr.

Zukünftige Veränderungen werden an Stärke, Dauer und Häufigkeit zunehmen. So wird der Ausnahmesommer des Jahres 2003 gegen Ende dieses Jahrhunderts wahrscheinlich ein ganz normaler Sommer sein. Jeder zweite Sommer wird sogar noch heißere Temperaturen mit sich bringen.


Anpassung an den Klimawandel bietet ungeahnte Vorteile

Die meisten Anpassungsmaßnahmen dienen nicht nur der Anpassung an den Klimawandel, sondern führen auch zu Vorteilen in ganz anderen Bereichen. Diesen Zusammenhang verdeutlicht die folgende Abbildung zur Anpassung an den Klimawandel mit Hilfe von grün-blauer Infrastruktur in der Stadt. Durch die Erhaltung, Erweiterung und Neuanlage von Parks, Bäumen und anderen Pflanzen, der Begrünung von Straßen, Fassaden und Dächern sowie dem Ausbau von Wasserflächen, Wasserläufen und Wasserauffangstrukturen entstehen zahlreiche positive Effekte, die über die Anpassung an den Klimawandel hinausgehen.


Klimawandelanpassung in der Kommune – so kann es gelingen

Die folgenden fünf Punkte sind besonders wichtig, damit Kommunen sich frühzeitig, strukturiert und ökonomisch sinnvoll an den Klimawandel anpassen.

1. Verwundbarkeit identifizieren

Um Anpassungsmaßnahmen gezielt und auch priorisiert durchzuführen, ist es wichtig zu wissen, welche Folgen des Klimawandels sich vor Ort wahrscheinlich besonders negativ auswirken werden. Mögliche Fragen dazu sind: In welchen Bereichen der Kommune erhöhen sich zukünftig die Temperaturen besonders stark? Welche Gebiete in Kommunen sind besonders durch Überflutungen (Starkregenereignisse) betroffen? Welche Infrastrukturen müssen besonders geschützt werden? Wie können Risikogruppen, zum Beispiel ältere und kranke Menschen sowie Kinder, besonders vor extremer Hitze geschützt werden?

2. Anpassung frühzeitig berücksichtigen 

Die Anpassung an den Klimawandel sollte als eine Art Prüfkatalog (Durchlüftung, Überflutungsgefahr, Versiegelungsgrad, Beschattung von Freiflächen, Begrünung und vieles mehr) bei allen Neu-Planungen und Veränderungen im Bestand mit eingebunden sein. Dafür kann auch auf gesetzliche Grundlagen zurückgegriffen werden: Die Anpassung an den Klimawandel ist im Baugesetzbuch (§ 1) vorgeschrieben. Mehr Informationen dazu finden Sie auch im Bereich Politische Rahmenbedingungen.

3. Anpassung als Querschnittsaufgabe sehen

Viele Bereiche unseres Lebens werden in der Zukunft vom Klimawandel beeinflusst werden. Darum ist es wichtig, die Anpassung an den Klimawandel auch in so vielen Bereichen wie möglich zu berücksichtigen. Ob beispielsweise im Gesundheitssektor, beim Neubau oder bei der Umgestaltung einer innerstädtischen Straße oder bei der Renaturierung eines Flusses – die Anpassung an den Klimawandel sollte immer beachtet werden.

4. Anpassung koordinieren

Die Anpassung an den Klimawandel ist eine breite Querschnittsaufgabe. Darum fällt es mitunter nicht leicht, den Überblick zu behalten. Hier hilft der Aufbau von koordinierenden Strukturen, beispielsweise in der Form einer Koordinierungsstelle oder einer Koordinierungsgruppe. Diese übernehmen (bereichsübergreifend) die Verantwortung dafür, dass die Anpassung an den Klimawandel bei der Planung und Ausführung von Projekten berücksichtigt wird. Ein Beispiel ist die ämterübergreifende »Koordinierungsgruppe Klimawandel« der Stadt Frankfurt am Main.

5. Für Verständnis und Einbindung sorgen

Nicht viele Menschen haben die Anpassung an den Klimawandel als wichtiges Thema vor Augen. Dem gilt es entgegenzusteuern und beispielsweise durch Informationsveranstaltungen, Infostände oder Bürgerdiskussionsrunden die Bevölkerung deutlich auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen.

Da Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel lokal erfolgen, bietet sich die Mitverantwortung der Bevölkerung durch eine aktive Beteiligung an. Ein Beispiel ist die Begrünung eines Stadtteils oder einer Siedlung in Zusammenarbeit mit den Bewohnern, lokalen Vereinen, Unternehmen oder Schulen. Durch die aktive Beteiligung kann auch die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Umgebung gesteigert werden. 


Anpassung an den Klimawandel lohnt sich

Wie bei Klimaschutzmaßnahmen gilt auch für Anpassungsmaßnahmen: deren Kosten sind in der Regel um ein Vielfaches geringer als die, die durch mögliche Schäden entstehen. Jeder in den Hochwasserschutz investierte Euro, so rechnet die Europäische Kommission beispielsweise vor, verhindert sechs Euro an späteren Schadenskosten [1].

Anpassungsmaßnahmen sind demnach größtenteils sogenannte no regret measures. Dies heißt, dass – unabhängig vom Verlauf des Klimawandels und seinen nicht genau vorhersehbaren Folgen – die Umsetzung der Maßnahme(n) einen (finanziellen) Nutzen ohne Reue bringt. 


Können wir uns an alle Folgen des Klimawandels anpassen?

Auch wenn einige Folgen des Klimawandels durch Anpassungsmaßnahmen abgeschwächt werden können, eines muss klar sein: Die globale Anpassung ist – wie auch die lokale in der Region FrankfurtRheinMain – nur eingeschränkt möglich. Allen getroffenen Maßnahmen zum Trotz werden in Zukunft Hitze, Trockenheit und Starkniederschläge in unserer Region einen großen Einfluss auf unser Leben haben.


Der Regionalverband FrankfurtRheinMain bietet Unterstützung

Kommunen im Klimawandel - Leitfaden zur Anpassung

Leitfaden: Kommunen im Klimawandel

Der Leitfaden Kommunen im Klimawandel - Wege zur Anpassung [PDF: 2,8 MB] unterstützt Kommunen bei der Anpassung an den Klimawandel. Er erläutert die Auswirkungen des sich verändernden Klimas auf Siedlungsgebiete und nennt Handlungsbeispiele.

Die Klimaroute

Um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen, entstand die Klimaroute entlang des Mains. Die von Kelsterbach bis Mühlheim-Dietesheim führende Route informiert an acht Stationen anschaulich über den Klimawandel und dessen Auswirkungen und setzt diese auch in Beziehung zu anderen Flüssen auf der Welt.

Das Bild zeigt die Station Amazonas in Mühlheim zum Thema Fische. Dort wird unter anderem beschrieben, wie der Klimawandel die Lebensbedingungen für Fische verändert.


Anpassung auf regionaler Ebene – der Regionale Flächennutzungsplan

Themen wie die Kalt- und Frischluftzufuhr oder der Hochwasser- und Grundwasserschutz können nicht nur auf der lokalen Ebene betrachtet werden. Hierfür braucht es geografisch größer gefasste Betrachtungsräume, zum Beispiel die einer Region oder sogar noch darüber hinaus. Daher werden diese, ähnlich wie weitere Umweltthemen, in der Regional- und Flächennutzungsplanung beachtet und sind im Raumordnungsgesetz sowie dem Baugesetzbuch verankert.

Im Rahmen der sich zunehmend deutlicher abzeichnenden Auswirkungen des Klimawandels wird die Steuerung über diese Planungsinstrumente immer wichtiger. Im Regionalen Flächennutzungsplan, der die Regionalplanung und die Flächennutzungsplanung in der Region FrankfurtRheinMain miteinander vereint, besteht der Grundsatz, bei allen Planungsentscheidungen verstärkt den Klimaschutz und die Vorsorge vor den Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen.

Zur Minderung von heute schon absehbaren Folgen des Klimawandels sollen vorausschauende Anpassungsmaßnahmen auf allen relevanten Handlungsfeldern ergriffen werden. Zum Schutz vor Hitzefolgen durch den Klimawandel, die die menschliche Gesundheit belasten, werden im Plan regional bedeutsame Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete sowie Luftleitbahnen gesichert. Hierfür hat das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung eine landesweite Klimaanalyse und - bewertung beauftragt, um auf Basis geeigneter Datengrundlagen klimarelevante Flächen auszuweisen. Für den Regionalen Flächennutzungsplan werden diese im Maßstab 1:50.000 erstellt.


Förderung

Fördermittel für die Umsetzung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel finden Sie unter anderem hier:



Quellen

[1] European Commission. (k. D.). The EU Strategy on adaptation to climate change. Abgerufen am 30.03.2016 von: http://ec.europa.eu/clima/policies/adaptation/what/index_en.htm