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Sharing-Angebote ausweiten

Werkstattgespräch (E-)Carsharing 05.04.2017

Rund 40 Experten und Expertinnen aus Kommunen, Landkreisen und der Strategiegruppe Mobilität (aus dem Beteiligungsverfahren zum Regionalen Energiekonzept), berieten auf Einladung des Fachbereichs Energie/Umwelt und Innovation des Regionalverbands über die Perspektiven von (E-)Carsharing in der Region. Nach Impulsvorträgen tauschten sich die Teilnehmenden mit dem Brainstorming-Format „World-Café“ aus. Sie trugen ihr Wissen und ihre Einschätzungen zusammen über den Stand der Entwicklung in ihren Kommunen, die aktuellen Hindernisse und was sich ändern muss, um Carsharing (mit Elektrofahrzeugen) schneller umzusetzen.

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In den Großstädten funktioniert Carsharing – ländlicher Raum braucht Impulse

Rund ein Drittel aller Energieverbräuche in der Region FrankfurtRheinMain entfallen auf den Verkehr, davon rund 50 Prozent auf den Individualverkehr. Um den Energieverbrauch zu senken, helfen Sharing-Modelle. Vor allem die Kombination von Elektrofahrzeugen mit Carsharing bietet ein großes Einsparpotenzial. Im Durchschnitt ersetzt ein Sharing-Fahrzeug vier bis acht Privatautos (in Großstädten sind es sogar bis zu 20). Zudem sind Carsharing-Fahrzeuge überwiegend mit kleineren Motoren ausgestattet, die deutlich weniger CO2 und andere Schadstoffe ausstoßen. In größeren Kommunen zeigen die Nutzerzahlen, dass Carsharing bereits gut funktioniert, aber im ländlichen Raum fehlt weiterhin ein flächendeckendes Angebot. Von den 75 Kommunen des Regionalverbands haben (Stand März 2017) 49 noch kein Carsharing-Angebot – vor allem im ländlichen Raum. Einen aktuellen Überblick über die Bedeutung des Carsharings in der Region und die Angebote, stellt der Regionalverband auf dieser Projektseite.

Hier finden Sie die Präsentation zum Stand des Regionalen Energiekonzepts und den Vortrag zum Stand des Car- und Bikesharings im Regionalverband.
 

Elektrofahrzeuge im Sharing-Einsatz auch in kleineren Kommunen möglich

Michael Lindhof, CEO des E-Carsharing-Anbieters mobileeee, begann seinen Impulsvortrag mit dem Zitat: „Alle wollen zurück zur Natur. Aber keiner zu Fuß“. Der Gründer des Start-ups, das 2016 den Gründerpreis der Stadt Frankfurt erhielt, berichtete über seine Erfahrungen mit dem kommerziellen Einsatz von geteilten Elektrofahrzeugen. Deren Einsatz im Carsharing sei wirtschaftlich möglich, wenn die Auslastung der Fahrzeuge gewährleistet sei. In dem vom hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung geförderten Modellprojekt KOMEKAN, realisiert mobileeee zusammen mit den Kommunen Mörfelden-Walldorf und Friedrichsdorf ein elektrisches Carsharing. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Hochschule Darmstadt. Die Technik sei ausgereift, meint Michael Lindhof, für die erfolgreiche Anwendung gäbe es aber Herausforderungen. Die Anzahl der Fahrzeuge, die möglichst zentrale Lage der Stellplätze mit guter Sichtbarkeit der Fahrzeuge sowie die Ladeinfrastruktur seien für jede Kommune optimal zu konzipieren. Für die Fahrzeugpflege seien lokale Partner zu rekrutieren. Um eine reibungslose Fahrzeugnutzung zu ermöglichen, müsste das Buchungssystem die Ladezyklen berücksichtigen. Damit ein solches Projekt auch langfristig wirtschaftlich arbeite, seien von Beginn an verschiedene Nutzergruppen einzubinden.

Hier finden Sie den Impulsvortrag zum kommunalen E-Carsharing von mobileeee.

World-Café-Diskurse erarbeiten die Erfahrungen, Herausforderungen und Wünsche der Kommunen

In den anschließenden drei Arbeitsgruppen diskutierten die Experten und Expertinnen über ihre kommunalen Herausforderungen bei der Umsetzung von (E-)Carsharing-Projekten. Neben einer Bestandsaufnahme und einer Beschreibung der Hindernisse, gingen sie der Frage nach, wie die Entwicklung von (E-)Carsharing in den Kommunen des Regionalverbands weiter vorangebracht werden kann. 

Die Dokumentation des Werkstattgesprächs [PDF: 1,3 MB], bietet Ihnen einen ausführlichen Überblick der besprochenen World-Café Themen.

Wo stehen wir?

In kleineren Kommunen ist erst sehr wenig Erfahrung mit (E-)Carsharing vorhanden. Beispiele zeigen, dass (E-)Carsharing auch im ländlichen Raum funktionieren kann. Wichtig seien regionale Konzepte und die Zusammenarbeit von Kommunen mit Unternehmen und Bürgern. In größeren Kommunen sei ein häufiges Problem die Bereitstellung von öffentlich gut sichtbaren Stellplätzen. Wo dies gelinge, zeigten sich gelegentlich aber Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung. Vor allem Parkplätze mit Lademöglichkeit seien oft durch Falschparker besetzt. Wie (E-)Carsharing in Neubaugebieten erfolgreich realisiert werden können, zeige in Frankfurt am Main die Wohnungsbaugesellschaft (ABG Holding). Für die Markterschließung sei solch ein starker Partner wichtig. Dies gelte auch für kleinere Kommunen, die ein erstes Sharing-Angebot gemeinsam mit lokalen Ankerkunden aufbauen können. Gute Erfahrungen wurden mit Carsharing-Angeboten für Mitarbeiter der kommunalen Verwaltung gemacht – während der Dienstzeiten und außerhalb zur privaten Nutzung. Einzelne Kommunen haben begonnen ihre Fahrzeugpools auf elektrische Autos umzustellen. Genereller Konsens: Jede Kommune brauche ein umfassendes Mobilitätskonzept für das vor allem kleinere Kommunen Unterstützung benötigen.

Was hindert uns?

Im ländlichen Raum fehle häufig das Personal, um (E-)Carsharing voranzubringen, selbst wenn es Initiativen aus der Bevölkerung gäbe. Notwendig seien ein intensiver Wissenstransfer und ein „kommunaler Kümmerer“, der Projekte voranbringe. Häufig würden wie bei der Stellplatzvergabe rechtliche Hürden bestehen. Das kommunale Satzungsrecht stoße an die Grenzen der Stadtplanungs- und der Baugesetze. Auch eingefahrene Handlungsroutinen und die fehlende Selbstreflexion zum eigenen Mobilitätsverhalten behindern eine schnelle Einführung des (elektrischen) Car-Sharings. Ebenso finanzielle Beteiligungen der Kommunen und fehlende Planbarkeit der Betriebskosten, sind Themen die als Hindernisse genannt wurden.

Wie kommen wir weiter?

Um (E-)Carsharing in der Region voranzubringen ist es zielführend, dass Akteure zusammen an einem Konzept arbeiten. Mitarbeiten sollten daran neben den Kommunen auch Unternehmen des Öffentlichen Personen Nahverkehrs. Auch Public-Private-Partnerschaftsmodelle mit den bestehenden Carsharing-Anbietern könnten helfen. Vor allem müssten Bürgermeister und Landräte noch intensiver von den Vorteilen der Sharing-Modelle überzeugt werden. (E-)Carsharing müsste darüber hinaus ein zentrales Thema der Stadtentwicklung und Stadtplanung werden. Auch eine regionale Buchungsplattform wurde als Lösungsansatz vorgeschlagen.


Ziel

Die Maßnahme „MO_2.2 Sharing-Angebote ausweiten“ ist einer von zehn Maßnamenvorschlägen die die Teilnehmer der „Strategiegruppe Mobilität“ im Rahmen des Beteiligungsprozesses zum Regionalen Energiekonzept FrankfurtRheinMain erarbeitet haben und zielt darauf ab, Kommunen beim Auf- und Ausbau von Sharing-Angeboten zu unterstützen.

In Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln bieten

  • Carsharing (auch rein elektrisches Carsharing)
  • Rollersharing und
  • Bikesharing

ein zunehmend attraktiveres Modell für eine menschen- und umweltfreundliche Mobilität.

In den Zentren der Region, insbesondere in Frankfurt oder Offenbach, haben sich Car- und Bikesharing bereits etabliert und werden von immer mehr Personen genutzt. Außerhalb dieser Zentren sind Car- und Bikesharing bisher noch wenig verbreitet. Dies wollen wir ändern. Dabei kommt den Kommunen eine Schlüsselrolle zu. 


Vorteile für Mensch und Umwelt

  • Jedes Carsharing-Fahrzeug ersetzt 4-8 private Autos (in Städten sogar bis zu 20 Autos):
    Neben der Einsparung von Energie und vieler weiterer Ressourcen bedeutet das auch eine deutlich geringere Flächeninanspruchnahme im städtischen Raum.
  • Carsharing Fahrzeuge sind sparsamer (kleiner und niedriger motorisiert) als der Durchschnitt der Privatfahrzeuge:
    Sie stoßen daher weniger CO2 und andere stark gesundheitsschädigende Schadstoffe (Feinstaub, Stickstoffoxid und Kohlenmonoxid) aus.
  • Beim Sharing steigt der Auslastungsgrad der Fahrzeuge:
    Klimaentlastende Technologien (z. B. der Elektroantrieb), die oft (noch) etwas teurer sind, können hier wirtschaftlich eingesetzt werden.

Mobilität und Klimaschutz

  • Der Anteil des Verkehrs am gesamten Endenergieverbrauch beträgt rund 30 Prozent.
  • Die CO2-Emissionen des Verkehrs an den gesamten CO2-Emissionen betragen in Deutschland rund 21 Prozent [BMWi 2014] und etwa 27 Prozent in unserer Region. 
  • Der Verkehr ist für:
       40,7 Prozent der gesamten Stickstoffoxidemissionen,
       26,6 Prozent der gesamten Kohlenmonoxid Emissionen und
       13 Prozent des gesamten Feinstaubs in Deutschland verantwortlich [BMWi 2013]
  • Der Verkehr wird aktuell zu deutlich über 90 Prozent mit fossilen Energien betrieben. Soll das gesetzte Ziel der nachhaltigen Energieversorgung in Deutschland bis 2050 erreicht werden, muss auch unsere Mobilität nahezu treibhausgasneutral sein.
  • Die in den letzten Jahrzehnten erreichte Verbesserungen beim Klima-und Umweltschutz im Verkehrsbereich (beispielsweise durch sparsamere Motoren) wurden vor allem durch die Zunahme des Verkehrs und eine höhere Motorisierung wieder aufgehoben oder sogar überkompensiert. Hier braucht es tiefgreifende Veränderungen.

    Sharing_Karte

 

Stand des Car- und Bikesharings im Regionalverband

Im Regionalverband haben:

  •   6 Kommunen Car- und Bikesharing Angebote
  • 21 Kommunen Carsharing Angebote

Aber:

  • 48 Kommunen bisher noch kein Angebot

Recherche RV-FRM, Stand: Mai 2017 (Bitte melden Sie uns Veränderungen!) 

 

Übersicht

Eine Übersicht der Car- und Bikesharing-Anbieter, -Stationen und -Fahrzeuge für jede Mitgliedskommune bietet diese Liste.

Filter-Funktionen der Liste ermöglichen es, die Angebote nach Einwohnergröße der Kommunen zu ordnen oder herauszufinden, welche(r) Anbieter in einer Kommune aktiv sind (ist).

Begriffsglossar Car- und Bikesharing

Sollten Begriffe aus der Welt des „Sharings“ noch neu sein, hilft das Glossar. Weitere Informationen zum Thema Mobilität finden Sie hier


Leitfäden, Handbücher etc.

Die folgenden (externen) pdf. Dokumente und Webseiten bieten Informationen und Unterstützung beim Aufbau eines (elektrischen) Carsharings:


Kostenrechner für Elektrofahrzeuge

Mit dem online Rechner des Öko-Institut e.V. können die Gesamtkosten von gewerblich und privat genutzten Elektroautos mit denen eines Diesel oder Benzin-Fahrzeugs verglichen werden.