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Kraftwerke auf der Dachkante, Mieterstrommodelle und intelligente Gebäude

Veranstaltung über Geschäftsmodelle der Energiewende im Regionalverband FrankfurtRheinMain am 29. September 2015

Quelle: Rolf Oeser

So könnte die Energieerzeugung der Zukunft aussehen: Eine kompakte Anlage, genannt Windrail-System, die an der Kante von Flachdachgebäuden mit einer Höhe von mindestens acht Metern sowohl mit Wind als auch mit Sonne Energie erzeugen kann. Auf diese Art kann bei jedem Wetter Strom gewonnen werden. Der Effizienzwert liege um 40 Prozent höher als bei „normalen“ Windkraftanlagen in dieser Höhe, versichert Marco Schicker von der Anerdgy AG. Dieses Beispiel für innovative Energieerzeugung wurde jetzt in einer Veranstaltung des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain in der Reihe „Erfolgreiche Geschäftsmodelle der Energiewende“ vorgestellt.

Neben der Erzeugung werden aber auch die Geschäftsmodelle immer dezentraler und verbraucherfreundlicher. Ein Beispiel ist das sogenannte Mieterstrommodell: Eine eigene Photovoltaik-Anlage oder ein eigenes Blockheizkraftwerk vor Ort, welche die Mieter eines Mehrfamilienhauses direkt mit Energie versorgen. Dabei fallen beispielsweise die Nebenkosten für Energie weg. „Durch technologische Innovationen wird die Dezentralisierung der Stromerzeugung weiter vorangetrieben“, das ist die Meinung von Norbert Breidenbach (Mainova AG) und Dr. Steffen Frischat (Entega AG). Für den Stromkunden der kommenden Generation bedeutet dies eine Umstellung von der althergebrachten Energieversorgung zu einem intelligenten Netzwerk verschiedener, ineinandergreifender Systeme. Ende 2013 hätten etwa 93 Gigawatt konventioneller Kraftwerksleistung rund 1,44 Millionen dezentralen und regenerativen Stromerzeugungsanlagen mit rund 82 Gigawatt gegenübergestanden.

Mathias Samson, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, sagte: „Der Umstieg auf erneuerbare Energiequellen eröffnet neue Geschäftsfelder für kommunale Versorger, Anlagenbauer sowie Energiedienstleister. Beispiele sind Contracting-Modelle für Blockheizkraftwerke und Mieterstrommodelle mit Photovoltaik-Anlagen. Beides sind Möglichkeiten, in Energieeffizienz zu investieren und damit Vorteile für die Kunden zu generieren. Das nutzt gleichzeitig der Umwelt und dem Klima. Die Landesregierung wird daher in diesem Jahr ein Pilotprojekt zum Mieterstrommodell in 1.000 Wohneinheiten fördern.“

Professor Jens Strüker, Geschäftsführer des Instituts für Energiewirtschaft der Hochschule Fresenius, konstatierte, dass „die Energieerzeugung dezentral und Kunden zunehmend in ihrer Doppelfunktion als Energieverbraucher und Energieerzeuger interessant werden. Denn: Wer Kunden kennt und mit diesen kommuniziert, kann neue Geschäftsmodelle erproben.“

In seinem Vortrag „Green buildings werden smart“, auf Deutsch „grüne Gebäude werden intelligent“, machte Norbert Krause von der Siemens AG deutlich, dass vor allem der Gebäudesektor vor erheblichen Herausforderungen stehe und eine entscheidende Rolle in der Energiewelt spielen könne. So entfielen 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs auf Gebäude. „Mit digitalisierten, zukünftig vernetzten Gebäuden werden ganz neue Geschäftsmodelle entstehen. Ein Beispiel ist das aktive Gebäude als Teil eines Stromversorgungsnetzes mit Speichermöglichkeiten. Damit ließe sich das enorme und bislang nicht genutzte Potenzial des Gebäudes als Stromspeicher, Lastenverschieber und Erzeugungssteuerer besser erschließen.“ Im ersten Schritt lassen sich hiernach künftig in Krankenhäusern und Bürogebäuden bis zu 26 Prozent, in Wohnhäusern 27 Prozent, in Einkaufszentren 49 Prozent und in Schulen 52 Prozent an Energie einsparen. Der zweite Schritt wäre dann die aktive Teilnahme von Gebäuden am Strommarkt, das heißt insbesondere der Bezug und die Lieferung von Strom anhand von aktuellen Marktpreisen.

„Für unsere Region sind dies ermutigende Erkenntnisse. Gerade hier bei uns im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet ist das Thema Energieeinsparung, -effizienz und –erzeugung in Verbindung mit Gebäuden von hoher Bedeutung. Denn hier wird viel Strom verbraucht, aber hier lässt sich eben auch intelligent jede Menge Strom sparen, speichern und erzeugen“, so der Direktor des Regionalverbandes, Ludger Stüve, abschließend.